Skat, dt., von Altenburg aus verbreitetes Kartenspiel
(vom lat. scartum, ital. scarto, das Weggelegte). 3 Spieler,
jeder 10 Karten, 2 verdeckt als S. Großspiele(Grands),
Farbspiele, Nullspiele. Unter(Buben, Wenzel, Matadore)
stets höchste Trümpfe; beim Nullspiel darf Spieler
keinen Stich bekommen. In Großspielen nur die Wenzel
Trümpfe. Handspiele: ohne den S.
Gewinner: bei 61 Augen einfach, bei 90 mit Schneider.
Verloren: bei 30 mit Schneider. Schwarz ist, wer keinen
Stich bekommt. Hat keiner ein Spiel, wird gepaßt
oder Ramsch gespielt. Ramsch verliert wer die meisten
Augen bekommt.
(nach: "der kleine brockhaus", 1927)
Das Skatspiel ist Anfang des 19. Jahrhunderts in der Stadt
Altenburg in Thüringen entstanden. Von allen Geschichten
und Anekdoten, die sich um den Ursprung des Skatspiels
ranken, ist wohl die vom Skatforscher Stein erwähnte
die glaubwürdigste. Hiernach hat ein Altenburger
Kutscher, der viel in benachbarte Länder fuhr, aus
dem sächsisch-böhmischen Erzgebirge das dort
beheimatete Schafkopf mitgebracht. Von ihm hat ein Mitglied
der "Brommeschen Tarockgesellschaft" diesen
wendischen Schafkopf gelernt, und seitdem wurde er des
öfteren in Altenburg gespielt.
In den Jahren 1810-1817 entstand aus diesem Schafkopf,
dem L'hombre, dem Solo und Tarock das Skatspiel. Der Name
Skat ist viel älter als das Skatspiel selbst. Schon
im italienischen Tarockspiel werden die beiseite gelegten
Karten als Skat bezeichnet, was auch der sprachlichen
Bedeutung im Italienischen entspricht: scartare - weglegen.
Zum erstenmal wird das Skatspiel 1818 in den "Osterländischen
Blättern" erwähnt, die von Friedrich Ferdinand
Hempel in Altenburg herausgegeben wurden. Er hat mit einigen
Freunden, dem Medizinalrat Dr. med. Schuderoff, dem Lexikonverleger
Brockhaus und dem Ratskopisten Neefe, um nur die bekanntesten
zu nennen, das Skatspiel allmählich entwickelt.
Carl Neefe führte 1817 die Spitzen- oder Matadorenrechnung
ein und schuf damit die Grundlage für das beim Skatspiel
typische Reizen.
Da man zu dritt spielte, blieben von den 32 Blatt der
Schafkopfkarte zwei Karten übrig, die der Kartengeber
als elftes und zwölftes Blatt erhielt. Er wurde damit
immer Alleinspieler, ohne Rücksicht darauf, ob er
seiner Karte nach Gewinnchancen hatte oder nicht. Auch
die Wahl der Trumpffarbe lag nicht in seinem Ermessen,
denn am Anfang der Entwicklung des Skatspiels waren zwar
die Buben ständige Trumpfkarten, man kannte aber
auch eine ständige Trumpffarbe, und zwar Karo. Als
einzige Vergünstigung konnte der Kartengeber als
Alleinspieler zwei Karten, die ihm nicht in sein Spiel
passten, als Skat weglegen.
Später wurde die Trumpffarbe nach der Karte, die
nach dem Abheben als unterste lag, bestimmt. So bekam
der Kartengeber, der ja Alleinspieler war, zumindest eine
Trumpfkarte in die Hand. Da bei dieser Festlegung der
Alleinspieler die meisten Spiele verlor, ging man dazu
über, es dem Spieler selbst zu überlassen, ob
er Alleinspieler sein wollte oder nicht. Das führte
zwangsläufig dazu, die überzähligen zwei
Karten schon, beim Kartengeben beiseite zu legen, um sie
dem Alleinspieler zu überlassen, der selbstverständlich
wieder zwei unpassende Karten "drücken"
musste. Trumpffarbe wurde jetzt die unterste Skatkarte.
Die Frage an die Spieler, ob sie das Spiel machen wollten,
wurde in der Reihenfolge Vorhand, Mittelhand, Hinterhand
gestellt.
Diese Reihenfolge hat sich bis heute beim Reizen erhalten.
Später wurde die Trumpfbestimmung durch irgendwelche
Leitkarten fallengelassen, und die Wahl der Trumpffarbe
bestimmte der Alleinspieler selbst. Zu dieser Zeit wurde
auch schon ohne Aufnehmen des Skats gespielt, also wie
bei unseren heutigen Handspielen, und eine unterschiedliche
Bewertung der vier Farben eingeführt. Man kannte
damals acht verschiedene Spiele, und zwar die vier Fragespiele
und die vier Solospiele ohne die Benutzung des Skats.
Sie bekamen folgende Grundwerte: Karo-Frage = 1, Herz-Frage
= 2, Pik-Frage = 3, Kreuz-Frage = 4, Karo-Solo = 5, Herz-Solo
= 6, Pik-Solo = 7, Kreuz-Solo = 8. Damit ergab sich ganz
von selbst die Versteigerung des Spiels.
Die Null- und As-Spiele waren auch schon im vorigen Jahrhundert
bekannt. Während die Nullspiele bereits damals reine
Stichspiele waren, das heißt, der Spieler durfte
keinen Stich bekommen, waren die As-Spiele ohne Trumpf.
Sie sind mit den Großspielen oder Grands unserer
Zeit vergleichbar, wobei die Buben in die Farben eingereiht
wurden. Ebenfalls in diese Zeit fällt das Ansagen
von Schwarz; die offenen As-Spiele, die Wende- und auch
die Großspiele kamen hinzu, und das Jahr 1870 brachte
das Ansagen von Schneider.
Mit der Einführung der Wendespiele musste man diesen
natürlich Grundwerte beiordnen, und da man die Handspiele
höher bewerten wollte als diese, gab man den Wendespielen
die Werte 5 bis 8 und setzte die Zahlenreihe für
die Handspiele fort, so dass in der Reihenfolge Karo bis
Kreuz die Werte 9 bis l2 festgelegt wurden. So entwickelten
sich die für uns heute gültigen Grundwerte für
die einzelnen Farben.
Die Verbreitung des Skatspiels fiel in die Jahre 1825
bis 1830. Es waren vor allem die Studenten, die dieses
Kartenspiel bekannt werden ließen. Der Weg des Skats
führte zunächst in die sächsisch-thüringischen
Universitäten Leipzig, Halle und Jena und von da
aus in die anderen Gebiete Deutschlands. Mit der Verbreitung
setzten auch hasardartige Auswüchse des Skatspiels
ein, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1870 bis 1880
hatten. Vielleicht traten gerade deshalb in dieser Zeit
viele Förderer des guten, sinnvollen Skats auf, deren
Bestreben es war, den unterschiedlichsten Spielarten Einhalt
zu gebieten.
Vom 7. bis 9. August 1886 fand in Altenburg der erste
Skatkongreß statt. Auf diesem Kongress wurde die
von Karl Buhle entworfene Allgemeine Deutsche Skatordnung
angenommen. Damit waren klare und einheitliche Regeln
des Skatspiels geschaffen. Sie fanden allgemeine Anerkennung.
Was Arthur Schubert, der ein anerkannter Theoretiker und
Praktiker des Skatspiels war, noch 1922 in seinem Buch
"Die Kunst des Skatspiels" als einen Nachteil
des Zahlenreizens empfand, macht unserer heutigen Auffassung
nach das Skatspiel erst zu einer unterhaltsamen Freizeitgestaltung.
Schubert empfand es als Nachteil, dass beim Zahlenreizen
die Möglichkeit besteht, die Kartenverteilung - besonders
die Verteilung der Buben - zu erkennen. Wir sind heute
der Auffassung, dass sich durch diese Möglichkeit
erst das reizvolle Spiel entwickeln konnte, das wie kein
anderes Kartenspiel logisches Denken erfordert. Schubert
hat 1924 feste Regeln für den sogenannten Guckiskat
nach Wertreizen herausgegeben, um einer weiteren Verwilderung,
begünstigt durch den ersten Weltkrieg, energisch
Einhalt zu gebieten. Schubert war damals Bücherwart
des Deutschen Skatverbandes. Das Zahlen- oder Wertreizen
hat sich schnell durchgesetzt und hat in der "Neuen
Deutschen Skatordnung von 1928" seinen Niederschlag
gefunden, die auf dem 12. Skatkongress in Altenburg angenommen
wurde.
Welche Verbreitung das Skatspiel bis zu diesem Skatkongress
gefunden hatte, geht wohl schon aus der Tatsache hervor,
dass von 1886 bis 1928 zwölf Skatkongresse durchgeführt
wurden.
Auf dem 3. Deutschen Skatkongress 1899 in Halle wurde
der Deutsche Skatverband von dem Altenburger Robert Fuchs
gegründet.
Eine bis heute in aller Welt anerkannte Einrichtung wurde
auf dem 11. Skatkongress 1927 in Altenburg mit der Gründung
des Skatgerichts geschaffen. Schon bald hatte sich sein
Bestehen in aller Welt herumgesprochen, und überall,
wo Skat gespielt wurde, wandte man sich in Streitfällen
an das Skatgericht in Altenburg, das durch seine Arbeit
erfolgreich gegen jegliche Auswüchse im Skatspiel
eintrat. Der zweite Weltkrieg hatte dieser Entwicklung
ein jähes Ende gesetzt. Aber der Ruf Altenburgs als
Skatstadt hatte sich auch über die Kriegsjahre und
die ersten Nachkriegsjahre hinweg bei den Freunden des
Skatspiels erhalten. Seit dem Jahre 1960 wuchs ständig
die Zahl der Anfragern, die an den Rat der Stadt Altenburg
gerichtet wurden, mit der Bitte um verbindliche Auskunft
über die Regeln für ein sportliches Skatspiel.
Ende 1962 sah sich der Rat der Stadt Altenburg veranlasst,
ein Gremium von fünf Skatfreunden als Skatgericht
zu berufen. Dieses Skatgericht wurde als Aktiv bei der
Ständigen Kommission für kulturelle Massenarbeit
bestätigt. Seit 1963 hat das Skatgericht außergewöhnliche
Erfolge. Viele Anfragen, darunter ein hoher Prozentsatz
Streitfälle, kamen aus aller Welt. Diese Tatsache
ist wohl der beste Beweis für die internationale
Anerkennung, die das Skatgericht in Altenburg in aller
Welt gefunden hat. Aber nicht nur auf diesem Gebiet hat
das Skatgericht wertvolle Arbeit geleistet, auch die Organisation
großer Skatturniere lag und liegt in seinen Händen.
1963 fand das erste DDR-offene Skatturnier in Altenburg
statt.
Quelle: http://home.t-online.de/home/g-sch/index.htm
(Quelle nicht mehr erreichbar)